Architektur und bildende Künste des Mittelalters (ca. 800-1500) sind bestimmt von einer neuen Formensprache, die sich deutlich absetzt von der Formenwelt der griechischen und römischen Antike. Als Auftragswerke der Kirche und des Adels stehen bei mittelalterlicher Kunst vor allem christlich-religiöse Themen im Mittelpunkt. Durch sie soll göttliche Heilsordnung anschaulich werden. Davon geprägt ist die Ikonographie, aber auch die Technik und das Verständnis der Materialien, aus denen die Werke geschaffen wurden. Auf einem derartigen ideologischen Fundament verwandeln sich die Gegenstände aus der Natur wenn sie im Kunstwerk gespiegelt werden.

Nicht zuletzt in der Buchmalerei ist das zu sehen. Die Darstellung der Kaiser Otto III: huldigenden Provinzen Slavinia, Gallia, Germania und Roma zeigt eine bis ins Detail reichende formalisierte Präsentation der Verehrung, die durch den strengen Bildaufbau etwas vom hierarchischen Herrschaftssystem des hohen Mittelalters zur Anschauung bringt (Evangeliar Ottos III., München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4453, fol. 23v/24r).

In der Architektur ist eine derartig formalisierte Gestaltung schwerer zu erkennen. Gleichwohl verrät der Blick auf ein technisch ausgefeiltes Denkmal hochgotischer Architektur, dass auch hier eine Kunst greifbar wird, deren Prinzipien auf einem geometrischen System basieren, das die Optik wesentlich bestimmt (Chor der Kathedrale von Beauvais).