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Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Kunstgeschichte zunehmend auch der Moderne und der Gegenwart geöffnet. Ins Blickfeld geraten Kunstwerke, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts ohne Auftrag entstanden sind und sich nicht länger nur in die traditionellen Gattungen einordnen lassen. Fotografie und Film haben das künstlerische Spektrum und somit den Gegenstandsbereich der Kunstgeschichte ebenso erweitert wie die im 20. Jahrhundert rasch aufeinander folgenden und nebeneinander entstandenen Erscheinungsformen, die neuartige Kunstwerkvorstellungen propagierten. Neben objektgebundener Kunst der so genannten "Klassischen Moderne" (ab 1905), die neue Materialien, Formen und Techniken einführte, zählen dazu ebenso ephemere und immaterielle Ausdrucksformen sowie Konzepte, Prozesse und Aktionen, die seit den 1960er Jahren radikal den Kunstwerkbegriff auf den Kopf stellen und bisherige Seh- und Denkgewohnheiten herausfordern. Mit Neuen Medien und Interventionen im öffentlichen Raum werden Veränderungen bei der Produktion wie der Rezeption thematisiert und Fragen nach dem Verhältnis Künstler – Kunst – und Betrachter sowie nach den Orten der Kunst in der Gesellschaft neu gestellt.

Eine Erweiterung des Themenspektrums erfolgt auch durch die Einbeziehung neuerer Forschungsansätze aus dem Bereich der Postcolonial- und Gender-Studies. Dadurch gelingt es, die Bedeutung und Funktion der Künste im Kontext der europäischen Kolonialgeschichte aufzuarbeiten und gleichzeitig der zunehmenden Globalisierung und Internationalisierung des Kunst- und Ausstellungsbetriebes Rechnung zu tragen.